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09.04.2010 TuS will "Bonuspunkte" in Aachen
Koblenzer starten den nächsten Anlauf, um die bescheidene Auswärtsbilanz zu verbessern - Bei Sieg winkt Sprung auf Platz 16
Das 2:1 gegen Paderborn ist abgehakt, die Tabelle duldet kein Nachlassen: Für TuS Koblenz geht es in der heutigen Partie bei Alemannia Aachen darum, die nach wie vor prekäre Situation im Abstiegskampf weiter zu verbessern.
KOBLENZ. Es ist ist gerade einmal vier Wochen her, als TuS Koblenz zumindest gefühlt schon dem Abstieg geweiht war. Nach dem trostlosen 0:2 bei Rot-Weiß Oberhausen trennten die Elf von Trainer Petrik Sander satte sechs Punkte vom Relegationsplatz. Nun, fünf Spieltage vor dem Saisonende, sieht die Welt doch wieder um einiges freundlicher aus. Die TuS hat mit drei Siegen aus den vergangenen vier Spielen zu einem furiosen Zwischensprint angesetzt und damit mehr als nur ein Lebenszeichen im Tabellenkeller gesendet.
Lohn der Mühen: Vor der heutigen Partie bei Alemannia Aachen (18 Uhr) winkt zumindest bis zum Sonntag der Sprung auf den Relegationsrang. Erfreulicher Nebeneffekt des Ganzen: Die bereits enteilte Konkurrenz aus Frankfurt, Rostock und möglicherweise aus Karlsruhe würde damit zusätzlich unter Druck gesetzt.
Natürlich hätte TuS-Trainer Petrik Sander nichts dagegen, den Mitbewerbern ein weiteres forsches Signal zu senden. Aber das ist letztlich gar nicht sein Thema. Nein, der 49-Jährige reduziert den tobenden Abstiegskampf vor allem auf eines - und das sind Punkte. Wie viele davon die TuS aus den verbleibenden fünf Runden noch benötigt, mag auch er nicht vorherzusagen, für Sander steht lediglich fest: "Mit den Punkten, die wir auswärts holen, würden wir uns ein bisschen Druck von den Heimspielen nehmen." Denn ungeachtet aller Rechenspiele steht fest: Wenn die Koblenzer in den nächsten beiden Partien in der Fremde leer ausgehen, sind Heimsiege auf dem Oberwerth praktisch zwingend.
Das Dumme daran: Ungeachtet aller positiven Signale in den vergangenen Wochen bleibt die TuS ein gern gesehener Gast in der Zweiten Liga, der meist unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren musste. Nur acht Punkte haben die Koblenzer fern der Heimat stibitzt, das ist der Tiefstwert aller 18 Klubs. Im Zwei-Wochen-Takt predigt der Trainer seit Monaten, sich auch auswärts zu wehren und den eigenen Kasten wie eine Mutter ihre Kinder zu verteidigen. Die Wirkung seiner Worte blieb zumeist überschaubar. "Klar ist die Bilanz nicht so, wie ich mir das vorstelle", will Sander die Zahlen gar nicht wegdiskutieren. Aber die Art und Weise, wie sein Team die überlebenswichtigen drei Punkte in Ahlen eingefahren hat, wertet er als Zeichen, "dass die Mannschaft immer dann, wenn es darauf ankam, ihre Spiele gewonnen hat". Zudem habe das Team nach dem trostlosen 1:4 in Duisburg "eine Reaktion gezeigt, die Hochachtung verdient". Der Coach meint damit die Energieleistung nach der Pause gegen Paderborn, als die TuS zwar überschaubar Fußball spielte, aber sich letztlich erfolgreich gegen die Heimpleite zur Wehr setzte. "Genauso müssen wir uns auch in Aachen präsentieren. Es muss erkennbar sein, dass wir ein Tor erzwingen wollen."
Und überhaupt: Bei allem Ernst, den die Tabelle nach wie vor schwarz auf weiß dokumentiert, soll auch der Spaß zum Erfolgsfaktor werden. "In so einem tollen Stadion in einem Flutlichtspiel aufzulaufen, muss doch ein tolles Gefühl sein", sagt Sander. Dass sich dahinter mehr als nur der Wunsch verbirgt, auch im nächsten Jahr auf dem Tivoli zu gastieren, muss er gar nicht hinzufügen. Sven Sabock
Sander muss seine Startelf umbauen
Skela und Glockner fallen aus - Hartmann ist fit
KOBLENZ. Der Spruch, dass man eine siegreiche Mannschaft nicht verändern soll, ist natürlich auch Petrik Sander bekannt. Ob er sich daran hält, wollte er vor dem Koblenzer Spiel in Aachen nicht verraten. "Wir müssen sehen, ob es möglicherweise aus taktischen Gründen Umstellungen gibt", hielt sich der Coach wie gewohnt mit seinen personellen Planspielen zurück. Nach dem Abschlusstraining der Mannschaft standen dann jedoch zwei Ausfälle fest: Ervin Skela war umgeknickt und fehlt aufgrund eines geschwollenen Knöchels. Ebenso mussten Andreas Glockner wegen einer Oberschenkelverhärtung absagen.
Damit ist die Startelf im Vergleich zum 2:1 gegen Paderborn in Aachen nicht einsetzbar, für Glockner dürfte Anel Dzaka ins Team rücken, zumal auch Christian Müller (Knöchelverletzung) ebenfalls passen muss. Wieder einsetzbar ist voraussichtlich Manuel Hartmann. Der TuS-Kapitän konnte nach seinen hartnäckigen Oberschenkelproblemen in dieser Woche schmerzfrei trainieren. Nachdem aber sowohl Daniel Gunkel und der Brasilianer Everson zuletzt im zentralen Mittelfeld überzeugen konnten, wird für den 25-Jährigen wohl nur ein Platz auf der Bank übrig bleiben.
Positiv: Auch Matej Mavric konnte nach seiner Knöchelverletzung mit dem Team trainieren und wird mit Benjamin Lense die Innenverteidigung bilden. Kein Thema ist ein Einsatz von Zoltan Stieber (krank), auch Dominique Ndjeng hat nach seiner Oberschenkel-Blessur noch Trainingsrückstand. (sab)
Zu Gast bei der Diva vom Tivoli
Saisonverlauf der Alemannia gleicht einer Berg-und-Tal-Fahrt
AACHEN. Michael Krüger zählt eigentlich zu den ruhigeren Typen im Trainergeschäft. Der 55-Jährige gilt gemeinhin als Analytiker, als einer, der lieber mit Argumenten denn mit lauten Tönen überzeugt. Aber Anfang März gingen die Gäule mit dem auf einmal gar nicht mehr besonnenen Fußballlehrer durch. Nach dem 0:1 gegen Fortuna Düsseldorf machte Krüger seinem Unmut lautstark Luft.
Was nicht weiter wundert, ist der Saisonverlauf des heutigen TuS-Gegners doch eine einzige Berg-und-Tal-Fahrt. "Immer dann, wenn wir nach guten Vorstellungen der Mannschaft schon der Meinung waren, einen Schritt weitergekommen zu sein, kam prompt der nächste Einbruch." So viel Instabilität muss einen Trainer ja zur Verzweiflung bringen. Gut, die Aachener hatten in nicht unerheblichem Maße mit erkrankten oder verletzten Spielern zu kämpfen. Als Hauptübel für die mangelnde Beständigkeit indes hat Krüger etwas anderes ausgemacht. "Wir sind in unserer Auffassung in den vergangenen Wochen und Monaten bestätigt worden. Aber das ist nichts, was wir in der Öffentlichkeit breittreten wollen", formuliert es der Coach kryptisch. Nur so viel: "Das ist eigentlich ein guter Haufen, den wir da haben. Das Problem ist nur: Mental ist die Mannschaft einfach zu instabil." Die beiden vergangenen Partien sind da ein gutes Beispiel. Die ambitionierten Augsburger fegte die Alemannia mit 4:0 aus der Arena, am Spieltag drauf gab es nach desolater Leistung ein 0:2 bei den abstiegsgefährdeten Rostockern.
Weil so viel Instabilität auf Dauer nicht nur den Trainer krank macht, plant Krüger gemeinsam mit der Vereinsführung zum Saisonende den großen Schnitt. Etliche Profis werden gehen müssen, um ein paar etablierte Spieler herum will der Trainer mit jungen, hungrigen Akteuren eine schlagkräftige Mannschaft bauen.
Erst einmal aber gilt es, "diese Saison ordentlich zu Ende zu spielen", so Krüger. Die Gefahr, gegen Koblenz wieder das negative Bild seiner Mannschaft zu erleben, sieht der Trainer nicht. "Nein, das 0:1 im Hinspiel ist uns noch in guter Erinnerung. Wir haben was gutzumachen." Zudem ist die Alemannia gewarnt. "Koblenz hat drei Siege aus den letzten vier Spielen geholt. Die haben Blut geleckt und wollen auch bei uns punkten", weiß Krüger um die prekäre Lage der TuS, die auch auswärts punkten muss. Mit einer stürmischen Gäste-Elf rechnet der Alemannen-Coach indes nicht. Wohl aber mit einer Mannschaft, die für den Erfolg rennt und kämpft. "Da werden auch bei uns zu allererst die Grundtugenden gefragt sein." Bleibt abzuwarten, ob die Diva vom Tivoli gewillt ist, diese Tugenden gegen die TuS auch abzurufen. Klaus Reimann
Quelle Rhein-Zeitung 09.04.2010 http://rhein-zeitung.de
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