TuS kassiert höchste Pleite der Saison

Fußball-Regionalliga Koblenzer verlieren im  Abstiegskampf 0:3 gegen Stuttgarter Kickers 

Von unserem Mitarbeiter Bodo Heinemann

Koblenz. Den Wiedereinstieg in den Punktspielbetrieb hatte sich  die TuS Koblenz wahrlich anders vorgestellt: Eigentlich wollten die  Schängel die Lücke auf einen Konkurrenten im Abstiegskampf der  Fußball-Regionalliga Südwest nach der Winterpause flugs verkleinern,  stattdessen gab es jedoch im Nachholspiel ein ernüchterndes 0:3 (0:0) im Stadion Oberwerth gegen die Stuttgarters Kickers.

Wir sind nicht mehr in der Vorbereitung. Herzlich willkommen in der  Realität der Regionalliga, gab Kapitän Andre Marx nach der Partie  sarkastisch zu Protokoll. Und schob nach: Unfassbar, dass wir das Spiel nach dem Tor zum 0:1 so leicht aus der Hand gegeben haben. Da müssen  wir jetzt schnell einen Strich drunter machen und uns aufs nächste  Heimspiel gegen Frankfurt konzentrieren.

In drei Testpartien hatten die Koblenzer mit insgesamt 13 Treffern im  vorderen Bereich überzeugt, diesmal erarbeiteten sie sich über 90  Minuten plus Nachspielzeit nicht eine einzige wirklich gute Gelegenheit. Trainer Petrik Sander legte schonungslos den Finger in die offene  Wunde: Es fehlte die Offensivpower. Die saß auch nicht auf der Bank,  sondern ist verletzt. Mit Flügelmann Kevin Lahn kann er nach dessen  Fußoperation und gutem Heilungsprozess in Kürze wieder rechnen,  Sturmspitze Dejan Bozic wird wegen seiner Schulterverletzung dem  Geschehen noch ein Weilchen fern bleiben. Sander fuhr fort: Wir haben  keine Lösungen gefunden und immer die falschen Entscheidungen getroffen. Dimitrios Popovits und Marco Koch haben auf den Außenpositionen nicht  ihren besten Tag erwischt.

Knapp 60 Minuten lang spielte die TuS ganz ordentlich, hatte vorne zwar  nicht viel zu bieten, hielt aber zumindest hinten die Gefahr vom eigenen Tor fern. Sander: Wir haben das Spiel beherrscht. Nichts deutete  darauf hin, dass wir ein Tor fressen würden. Doch urplötzlich wendete  sich das Blatt. Alessandro Abruscia, Ersatzkapitän für den schon früh  (15.) verletzt ausgeschiedenen Spielführer Josip Landeka, schnappte sich in der gegnerischen Hälfte den Ball, marschierte ein paar Meter zentral gen Koblenzer Strafraum und ließ dem bis dato nahezu  beschäftigungslosem Dieter Paucken im TuS-Tor mit strammem und vor allem platzierten Schrägschuss aus rund 20 Metern keine Abwehrmöglichkeit.  Kickers-Coach Paco Vaz konstatierte: Das 1:0 für uns war der  Dosenöffner.

Rückkehrer Paucken hatte zwischen den Pfosten der Platzherren zwar im  Vorfeld den Machtkampf mit Chris Keilmann für sich entschieden, aber am  Verlauf der zweiten Halbzeit keine Freude gefunden: Natürlich ist es  schön, wieder hier zu sein. Aber das war ja alles andere als ein  gelungener Einstand. Zuerst haben wir super gespielt, dann aber den  Faden verloren. Mit drei Aktionen entscheidet der Gegner dann das  Spiel. Sander begründete Pauckens Berücksichtigung übrigens wie folgt:  Das war keine Entscheidung gegen Chris Keilmann, sondern eine für die  Mannschaft. Mit der Verpflichtung von Dieter haben wir auf dieser  Position insgesamt eine neue Qualität gefunden.

Kein Vergnügen am Geschehen hatte auch Patrik Dzalto, neben Paucken und  Verteidiger Jeremy Lundy (beim Klassenkonkurrenten SV Röchling  Völklingen ausgemustert) einer von drei Koblenzer Zugängen in der  Winterpause. Vier Minuten nach dem Rückstand war der 20-jährige  Angreifer ins Spiel gekommen, um mitzuhelfen, das Blatt noch zu wenden.  Doch er war keine 60 Sekunden auf dem Platz, da musste die Nummer neun  schon das 0:2 miterleben. Abruscia ging über rechts auf und davon und  bediente in der Mitte den mitgelaufenen Mijo Tunjic. Der hatte wenig  Mühe, den erneut chancenlosen Paucken aus kurzer Distanz zu überwinden  (70.).

Relativ spät versuchte Sander irgendwie zu retten, was kaum noch zu  retten war. Daniel von der Bracke warf er ins Geschehen, dafür rückte  Marx weiter nach vorn. Emre Kaya kam drei Minuten vor dem Ende zu seinem ersten Einsatz im Dress der Ersten undankbar, denn da war der Zug  schon endgültig abgefahren. Denn als ob das alles nicht schon genug des  Schlechten gewesen wäre, hatten die Kickers zuvor noch einen  draufgesetzt. Der sträflich ungedeckte Daniel Hammel hämmerte den Ball  zum Endstand in die Maschen des Koblenzer Tores (83.).

 0:3 das war zugleich die höchste Saisonniederlage nach zuvor zehn  Niederlagen mit nur einem Tor Differenz. Die Aufbruchsstimmung, die  unmittelbar vor der Winterpause nach dem 3:1-Erfolg beim FSV Mainz 05 II noch förmlich zu greifen war, scheint schon wieder verflogen. Besser  machen möchte es die abstiegsbedrohte TuS am kommenden Samstag, dann  gibt mit dem FSV Frankfurt ein weiterer gefährdeter Verein um 14 Uhr  seine Visitenkarte auf dem Oberwerth ab.

Quelle Rhein-Zeitung vom 05.02.18