Erneute Heimpleite kostet Sander den Job

Regionalliga Nach dem 0:4 gegen den FSV Frankfurt übernimmt Ex-Spieler Anel Dzaka bei TuS Koblenz Übergangsweise

 Von unserem Redakteur Stefan Kieffer

Koblenz. Das zweite Debakel binnen einer Woche hat schwerwiegende Folgen beim Fussball-Regionalligisten TuS Koblenz. Am Vormittag nach der bitteren, aber rundum verdienten 0:4-Heimpleite gegen den  Tabellennachbarn FSV Frankfurt hat sich der Verein von Trainer Petrik  Sander getrennt. Sportvorstand Dirk Laux informierte den Coach in einem  persönlichen Gespräch über die Präsidiums-Entscheidung.

Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht, wird TuS-Präsident  Arnd Gelhard in der Pressemitteilung des Vereins zitiert. Nach den  Ergebnissen der letzten beiden Spiele sind wir jedoch zu dem Schluss  gekommen, dass wir auf der Position des Trainers einen neuen Impuls  brauchen. Sanders Vertrag bei der TuS läuft bis 2019, gilt aber nur für die Regionalliga. Im Falle eines Koblenzer Abstiegs würde der  (Ex-)Trainer also zum Saisonende von der TuS-Gehaltsliste verschwinden.

Interimsmäßig wird der frühere TuS-Spieler Anel Dzaka die  Trainingsleitung übernehmen. Der 37-jährige Ex-Profi trainierte zuletzt  die U 17 des Vereins in der B-Junioren-Regionalliga. Dzaka selbst freut  sich laut Pressemitteilung auf seine neue Aufgabe und verspricht:  Gemeinsam werden wir alles daransetzen, um den Klassenerhalt zu  erreichen.

Laux selbst, der bekanntlich die U 23 der TuS in der Rheinlandliga  trainiert, schloss kategorisch aus, dass er für das Amt in Frage käme:  Ich mache das nicht. Trainer und Sportvorstand gleichzeitig, das geht  nicht. Das ist schon bei der zweiten Mannschaft schwierig genug.

Petrik Sander, ehemaliger Zweit- und Drittligatrainer der TuS, war in  der Winterpause der Saison 2014/2015 nach Koblenz zurückgekehrt. Den  Abstieg aus der Regionalliga konnte er nicht verhindern, führte eine neu formierte Mannschaft danach aber zum souveränen Wiederaufstieg und  erreichte in der vergangenen Saison einen guten achten Platz, ohne  jemals ernsthaft in Abstiegsgefahr geraten zu sein.

Vor der laufenden Saison musste die sportliche Abteilung eine  schmerzliche Reduzierung des Spieleretats verkraften. Die TuS kam in der Hinrunde nur zu drei Siegen, verlor aber etliche Spiele unglücklich und keines mit mehr als einem Tor Differenz.

Die ersten beiden Spiele nach der Winterpause sollten die Wende bringen, gegen die mit vier Punkten Vorsprung in Reichweite platzierten Teams  aus Stuttgart und Frankfurt waren Siege im eigenen Stadion sozusagen  Pflicht. Doch Sanders Team lieferte zwei desolate Vorstellungen ab.  Statt sechs Punkten und neuer Hoffnung auf den Klassenverbleib lautet  die bisherige Bilanz 2018: null Punkte, null Tore, sieben Gegentreffer.

Wie gegen die Stuttgarter Kickers begann die TuS auch gegen den FSV  engagiert, versuchte, den Ball laufen zu lassen und garnierte die  üblichen weiten Schläge nach vorn mit diversen Kombinationsversuchen  über die Außen. Doch die Frankfurter Innenverteidiger Alban Sabah und  Nestor Djengoue köpften jede Flanke aus dem Strafraum, Torchancen für  die Gastgeber ließen sich über 90 Minuten an einer Hand abzählen bei  entsprechend gutem Willen.

 Die Gäste hingegen standen nicht nur hinten sicher, sondern hatten auch  nach vorn einen zwar einfachen, aber funktionierenden Plan. Mit direkten Pässen auf die schnellen Sturmspitzen Leon Bell Bell und Vito Plut  ließen sie die TuS-Abwehr ein ums andere Mal alt aussehen. In der 9. Minute rettete TuS-Torwart Dieter Paucken noch gegen den allein auf ihn zulaufenden Plut, nach einer Viertelstunde rutschte  dann Kapitän Andre Marx im Laufduell mit Plut aus und holte den  Frankfurter Stürmer in letzter Not von den Beinen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Plut selbst zum 0:1.

 Und auch beim 0:2 patzte ein Routinier: In der Nachspielzeit der ersten  Halbzeit ließ Paucken einen Freistoß, den Robert Schick von Linksaußen  mit Vollspann aufs Tor zog, über die Fäuste in den Winkel rutschen.

In unserer Situation sind die Spieler gefragt, die schon mehr erlebt  haben, zürnte Sander hinterher mit seinen Routiniers, die dürfen nicht in der grauen Masse verschwinden und sich verpissen. Damit war wohl  auch auch Standardspezialist Andreas Glockner gemeint, der nach seiner  tristen Vorstellung vor Wochenfrist auch diesmal keine Akzente setzte  und nach gut einer Stunde ausgewechselt wurde.

Da hatte der FSV schon den Deckel draufgemacht. Als zwei Koblenzer zur  Einwechslung an der Seitenlinie bereitstanden, da vollendete Plut den nächsten Hochgeschwindigkeitskonter über Bell Bell mühelos zum 0:3.  Wenig später ließ der Kameruner selbst das vierte Tor folgen.

Remo Rashica, im TuS-Präsidium zuständig für die Jugend (und den  Optimismus), gab unmittelbar nach dem Schlusspfiff Durchhalteparolen  aus: Wir haben noch 13 Spiele, meine Hoffnung lebt weiter Ich bin nach  wie vor der Meinung, dass wir den Klassenverbleib schaffen. Unsere  Spieler haben die Qualität. Aber er merkte auch an: Offenbar stimmt  bei ihnen momentan im Kopf etwas nicht. Wir müssen herausfinden, wo das  Problem liegt. Mit der Trennung vom Trainer scheint eine Antwort  zunächst gefunden.
Quelle Rhein-Zeitung vom 12.02.18

 

Sander: Ich blicke auf eine schöne Zeit zurück

Trainer Scheidender Coach beklagt viele Widrigkeiten

Koblenz. Seine Entlassung nach den beiden Auftaktniederlagen im  neuen Jahr nahm TuS-Trainer Petrik Sander ziemlich gelassen hin. Ich  habe in Koblenz eine schöne Zeit gehabt und viele interessante Menschen  kennengelernt, sagte der 57-Jährige.

Herr Sander, wie hat die Mannschaft Ihren Abschied aufgenommen?
Ich habe in viele traurige Gesichter gesehen. Wir hatten die Chance, es  besser zu machen. Über die Gründe, warum es nicht geklappt hat, will ich öffentlich nicht sprechen.

Vor der Winterpause sah es doch gar nicht so schlecht aus. Was ist in der spielfreien Zeit passiert?
Wir hatten eine relativ kurze Vorbereitung und konnten uns nicht so  verstärken, wie es möglich gewesen wäre, weil wir erst sehr spät grünes  Licht für Neuverpflichtungen bekommen haben. Da waren die meisten  Spieler, mit denen wir gesprochen hatten, schon anderweitig gebunden.

Nach den knappen Niederlagen in der Hinrunde wirkten die beiden Klatschen zum Neustart erschreckend. Woher der Leistungsabfall?
Es stimmt, die Mannschaft hat ihren Anspruch in keiner Weise auf den  Rasen bekommen. Das gilt für jeden Einzelnen. Als wir die ersten Tore  leichtfertig hergeschenkt hatten und mehr Risiko gehen mussten, sind  unsere defensiven Schwächen extrem zutage getreten. Gegen die  Frankfurter Konter sind uns auch unsere Schnelligkeitsnachteile auf die  Füße gefallen.

Warum haben gerade die erfahrenen Spieler ihre Leistung nicht gebracht?
Fakt ist, dass unsere zentrale Achse nicht funktioniert hat. Torwart  Paucken wollte es besonders gut machen und patzte prompt, Marx leidet  seit Monaten unter Problemen mit der Patellasehne und hatte vor allem  mit sich selbst tun, für Stahl wird es schwierig, wenn die Räume im  Mittelfeld größer werden. Glockner bekam keinen Einfluss aufs Spiel, und seine ruhenden Bälle, mit deren Hilfe wir uns in der vergangenen Saison so oft aus dem Schlamassel gezogen haben, klappen auch nicht mehr. Und  Lukas Hombach hat nach seinen drei Toren in Mainz nicht nachlegen  können. Allerdings haben wir es auch verpasst, ihn entsprechend ins  Spiel zu bringen.

Haben Sie sich selbst auch Fehler vorzuwerfen?
Ich kann nur sagen, dass unser gesamtes Trainerteam nach bestem Wissen  und Gewissen alles getan hat, um das Beste für die TuS herauszuholen.  Leider hatten wir mit vielen Dingen zu tun, die wir nicht beeinflussen  konnten. Ich will mich nicht von der Verantwortung freisprechen, aber  mit den entsprechenden Möglichkeiten hätte ich vieles anders machen  können.

Wie sehen Sie die Zukunft der TuS?
Das ist jetzt nicht meine Aufgabe, darüber nachzudenken. Ich blicke auf  eine schöne und erfolgreiche Zeit zurück und wünsche der TuS nur das  Beste.

Und Ihre eigene Zukunft?
Machen Sie sich darüber mal keine Gedanken. Ich freue mich darauf, nach  Hause zu kommen und nicht gleich am nächsten Morgen wieder los zu  müssen.

Das Gespräch führte Stefan Kieffer

 

Andre Marx: Traurig, dass der Trainer gehen muss

Spieler Michael Stahl bemängelt fehlende Tugenden wie Gier, Wille und Biss

Koblenz. Besonders die erfahrenen Spieler standen im Blickpunkt,  als Petrik Sander in seiner letzten Pressekonferenz als TuS-Trainer zur  0:4-Pleite Stellung nahm. Da war zum einen Kapitän Andre Marx, der beim  Strafstoß, der zum ersten Gegentor führte, nicht gut aussah. Da fällt  einer über den Ball in einer Situation, wo gar nichts passieren kann, schilderte Sander die Szene, und dann verschuldet er einen Elfmeter.

Marx, der später die zehnte Gelbe Karte sah und in Worms fehlt, lehnte  die Interviewanfrage nach dem Spiel brüsk ab (Frag doch die  Frankfurter!). Zur Trainerentlassung nahm der Spielführer tags darauf  aber doch Stellung: Es ist traurig, dass der Kopf des Trainers rollen  muss. Was kann er denn schon machen, wenn wir Spieler nicht das auf den  Platz bringen, was nötig ist?

Andreas Glockner hatte sich dem Reporter bereits nach Spielschluss  gestellt. Der formschwache Routinier war nach der Niederlage gegen  Stuttgart in die Kritik geraten, als er vor der Ausführung eines  Eckballs aus dem TuS-Fanblock heraus beleidigt wurde und darauf mit  einer Geste reagierte, die soviel bedeutete wie: Schießt ihr doch, wenn ihr es besser könnt. Eine Woche später sagte der erfahrene  Mittelfeldspieler: Wenn die Fans sich auf mich einschießen, dann kann  ich damit leben. Hauptsache, sie lassen die jungen Spieler in Ruhe. Aber wenn man mich unter der Gürtellinie attackiert, dann muss ich mir das  nicht gefallen lassen. Als alleinigen Sündenbock für den Totalabsturz  des Teams wollte Glockner sich nicht sehen: Ich kritisiere mich auch  selbst, aber heute ist keiner von uns ans Leistungslimit gekommen.
Michael Stahl, der Mann mit dem Kämpferherz, kommentierte Sanders  Abschied so: Der Verein hat entschieden, einen Impuls zu senden. Es  steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Gegen Stuttgart und Frankfurt  haben wir uns abschlachten lassen, da fehlten Gier, Wille und Biss. Wir  müssen uns alle hinterfragen, ob das die Tugenden sind, die die TuS  Koblenz in der Vergangenheit ausgezeichnet haben. Wo ist die Mannschaft  hin, die zu Saisonbeginn noch ein klasse Pokalspiel gegen Dynamo Dresden abgeliefert hat ?
kif, bhm