Bozic weckt die Hoffnung: TuS feiert Auswärtssieg

Regionalliga Koblenzer schaffen ein Überraschendes 2:1 in

 Stadtallendorf Marco Müller beendet die Torflaute nach 411 Minuten

 Von unserem Mitarbeiter Bodo Heinemann

Stadtallendorf. Endlich ein positiver Eintrag im Fußball-Jahrbuch der TuS Koblenz: Nach vier Begegnungen in 2018 ohne eigenes Tor platzte am 28. Spieltag der Regionalliga Südwest der Knoten, mit dem 2:1  (1:1)-Sieg beim TSV Eintracht Stadtallendorf sendeten die Schängel ein  deutliches Lebenszeichen im Abstiegskampf. Dumm nur, dass auch der obere Tabellennachbar TSV Schott Mainz einen guten Tag erwischte, die  Stuttgarter Kickers mit 4:1 bezwang und die Koblenzer so auf Distanz  hielt.

 Die TuS hat sich unter Trainer Anel Dzaka seit dessen Amtsübernahme  kontinuierlich gesteigert: Der hauchdünnen Niederlage in Worms (0:1)  folgte ein torloses Remis gegen den FC-Astoria Walldorf und nun der  Überraschende Erfolg beim auf Platz elf platzierten Klassenneuling. Dass die Stadtallendorfer damit zum erklärten Lieblingsgegner der Koblenzer  in dieser Spielzeit mutierten, versteht sich mit Blick auf die Bilanz  fast von selbst: Nach dem 1:0 im Hinspiel holten die Schängel somit alle sechs Punkte, das klappt bis Saisonende höchstens noch gegen den TSV  Steinbach.

 Daniel von der Bracke, in Abwesenheit des gesperrten Kapitäns Michael  Stahl (er saß aber als moralische Unterstützung auf der Reservebank) nun nach Dzakas Willen Träger der Spielführerbinde, sagte: Heute hat man  gesehen, dass wir uns gut entwickelt haben. Endlich hatten wir auch mal  das nötige Glück. Es ist zwar noch ein langer Weg, aber wir machen  weiter und geben nicht auf. Auch wenn die nächsten Aufgaben nicht leicht werden, können wir in dieser Liga jeden schlagen.

 Zur Chronologie der Ereignisse im Herrenwald-Stadion: Schon früh wurde  deutlich, dass der Gastgeber nach etlichen Spielausfällen bei der ersten Heimpartie des Jahres die bis dato letzte war am 18. November mit 0:9 gegen die SV Elversberg verloren gegangen auch den ersten Sieg im Kalenderjahr einfahren wollten. Frühe Attacken auf holprigem Geläuf  brachten dann mit gütiger Mithilfe des Koblenzer Keepers die schnelle  Führung: Einen halbherzigen Versuch von Tomislav Baltic halb Flanke,  halb Torschuss lenkte Dieter Paucken an die Latte, den abprallenden  Ball bugsierte der nur leicht bedrängte Delangelo Williams über die  Linie (9.).

 Doch anders als bei der jüngsten Auswärtspleite der TuS in Worms war das frühe Gegentor diesmal nicht schon die Entscheidung. Während der TSV  Eintracht hoch stand und versuchte, offensiven Druck zu entwickeln,  nutzten die Gäste einen Fehler im Aufbau gegen die entblößte Abwehr des  Aufsteigers. Marco Müller eroberte den Ball in der eigenen Hälfte,  bediente Kevin Lahn auf dem rechten Flügel und vollendete nach präziser  Auflage kaltschnäuzig in der Mitte auf Höhe des Fünfmeterraums zum 1:1  (21.). Die 411 Spielminuten andauernde Torflaute der TuS war mit einem  Schlag beendet.

 Torschütze Müller gab sich später bescheiden, als Mann des Spiels wollte er ganz und gar nicht bezeichnet werden: Okay, da habe ich wohl  einen ganz guten Tag erwischt. Aber die ganze Mannschaft hat heute  überzeugt, ordentlich abgeliefert und sich das Ergebnis verdient.

 Den einen Punkt zementierten die Koblenzer nach dem Gleichstand, Paucken präsentierte sich bis zum Schlusspfiff sicher und entschärfte die  allerdings auch nicht gerade hochkarätigen Möglichkeiten der  Stadtallendorfer.

 Vorn boten sich den Gästen vielversprechende Kontergelegenheiten, die  aber nicht zuletzt aufgrund des schwierig zu bespielenden Untergrunds  wirkungslos verpufften. Dass es am Ende doch zum vierten Saisonsieg  reichte, war Folge einer überraschenden Freistoßvariante. Nicolai  Lorenzoni servierte den Ball von der rechten Angriffsseite nicht etwa  hoch und lang, sondern kurz und flach. Der für Lukas Hombach  eingewechselte Dejan Bozic stand in der Mitte goldrichtig und traf zum  finalen 1:2 (88.).

 Eintracht-Coach Dragan Sicaja wollte nach dem verpatzten Heimauftritt  nichts beschönigen: Eine verdiente Niederlage. Wir waren in der zweiten Halbzeit viel zu passiv. Wenn nur ein paar Prozent fehlen, hast du mit  so einer Leistung in der Liga nichts zu suchen. Dzaka entgegnete: Ein  Riesenkompliment an meine Mannschaft, sie hat das alles top gemacht.  Gut, dass wir nach dem unglücklichen Gegentor so schnell zurückgekommen  sind. Das Spiel hätte auch in die andere Richtung ausgehen können, aber  alles in allem haben wir uns endlich mal belohnt und den Sieg  erarbeitet.

 Die nächsten Aufgaben für die TuS haben es allerdings in sich: Am  Sonntag kommt der Tabellendritte SV Waldhof Mannheim nach Koblenz, sechs Tage danach müssen sich die Schängel beim Spitzenreiter 1. FC  Saarbrücken beweisen.

Quelle Rhein-Zeitung 12.03.18