Bringt Anel Dzaka die TuS zurück in die Spur?

Fussball-Regionalliga Ehemaliger Profi trainiert seit Dienstag interimsweise die erste Mannschaft der Koblenzer Gorges scheidet am Saisonende aus

Von unserem Mitarbeiter Bodo Heinemann

Koblenz. Anel Dzaka ist wieder da. Der mittlerweile 37-Jährige,  der die sportliche Hochzeit der TuS Koblenz als Spieler in den Jahren  2004 bis 2008 (109 Regional- und Zweitligaspiele, 32 Tore) prägte wie  kein anderer, soll nach der Entlassung von Trainer Petrik Sander nun als Interimslösung helfen, den drohenden Abstieg in die Oberliga zu  verhindern. Die Mission beginnt mit dem Auswärtsspiel am Samstag (14  Uhr) beim VfR Wormatia 08 Worms.

Wirklich weg war der gebürtige Bosnier seit seinem letzten Einsatz im  blau-schwarzen Trikot der TuS am 23. Mai 2015 (2:5 beim SC Freiburg II)  aber nicht, zumal er auch in Arzheim wohnt. Seine lange und erfolgreiche Karriere (unter anderem Stationen bei Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Kaiserslautern) hat er damals zwar offiziell beendet, begleitet hat er  die Koblenzer seither aber als Trainer diverser Jugendmannschaften.  Zuletzt betreute er die U17 des Vereins verantwortlich in der  Regionalliga Südwest, vorläufiges Ende seines Wirkens war ein 4:1 am  Sonntag im Testspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Ein tränenreicher Abschied, sagte er mit Wehmut in der Stimme: Aber  jetzt konzentriere ich mich voll und ganz auf meine neue Aufgabe. Und  die ist bei seinem ersten Engagement im Seniorenbereich eine extrem  knifflige, schließlich steht die TuS einmal mehr vor dem freien Fall in  die Oberliga. Den Abstiegskampf in Koblenz kennt Dzaka aus seiner  letzten Saison als Aktiver noch zur Genüge, im Sommer 2015 versank die  TuS in der Bedeutungslosigkeit der fünften Liga. Vorübergehend. Ein  Szenario, das sich zu wiederholen scheint.

Dzaka ist in Zeiten klammer Kassen eine interne Lösung, die sich der  Verein wird leisten können. Ich bin ja bereits angestellt, sagt er.  Ein zusätzliches Salär in Überschaubarer Höhe kann die TuS stemmen, da  in der Winterpause durch diverse Transfers etwas an Budget frei geworden ist. Fast schon logisch, dass der Interimscoach nach den ersten  Eindrücken beim Premierentraining am Dienstag versucht, positive  Stimmung zu verbreiten: Die Mannschaft hat Qualität. Laufen und kämpfen ist zwar wichtig, aber wir müssen vor allem mehr Fussball spielen. Null Punkte und null Tore in zwei Spielen nach Ablauf der Winterpause gegen  abstiegsbedrohte Konkurrenz lassen vermuten, dass es schon ein wenig  mehr sein muss, um den Karren wieder manövrierfähig zu machen.

Dzaka ist im Besitz der Trainer-B-Lizenz, damit darf er die Koblenzer  zumindest in einer dreimonatigen Übergangsfrist verantwortlich betreuen. Rein rechnerisch passt das gerade so, am 12. Mai endet die Saison für  die TuS mit dem Auswärtsspiel bei der SV 07 Elversberg. Er hat  vorgebaut, um im Erfolgsfall weitermachen zu dürfen: Ich bin im Juni  und November jeweils zwölf Tage in meinem Heimatland, um die A-Lizenz zu erwerben. Die ist international gültig. Ob Dzaka tatsächlich bis  Saisonultimo im Amt bleibt, wird in erster Linie von den erzielten  Ergebnissen in den nächsten Wochen abhängen. Dirk Laux, im Koblenzer  Präsidium zustündig für den sportlichen Bereich, sagt: Die Übereinkunft ist nicht befristet. Wir schauen mal, wie sich die Sache entwickelt.  Außerdem ist es in so einer Situation auch legitim, nach anderen  Lösungen zu suchen.

Co-Trainer Gilbert Gorges, der die Mannschaft mit seiner A-Lizenz  ebenfalls direkt hätte übernehmen können, bleibt zwar an Bord, wirkt  aber weiterhin nur im Hintergrund: Ich erfülle meinen Vertrag bis zum  Saisonende, werde mich dann aber anderweitig orientieren. Schließlich  stand ich mit Petrik Sander in der Verantwortung, dann trage ich  letztlich auch die Konsequenzen mit.

Etwas paradox: Sollte Dzaka (oder ein adäquater Nachfolger) die Mission  erfolgreich zu Ende bringen, stünde der finanziell nicht auf Rosen  gebettete Verein vor einem Problem. Der am Sonntag entlassene Sander  steht im Fall der erneuten Regionalliga-Zugehörigkeit ein weiteres Jahr  bis Juni 2019 auf der Lohnliste. Sollte der 57-jährige aus Quedlinburg  in der nächsten Zeit oder aber erst ab Sommer woanders einsteigen, würde das den Etat merklich entlasten. Das müssen wir dann mit ihm und auch  einem neuen Verein im Detail verhandeln, stellt Nils Wiechmann, bei der TuS zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, klar.
Quelle Rhein-Zeitung vom 15.02.18

 

Wie viele Teams müssen aus der Regionalliga absteigen?

Ein positiver Aspekt im Abstiegskampf der Regionalliga Südwest: Ganz im  Gegensatz zur Vorsaison, als mit dem FSV Mainz 05 II und dem FSV  Frankfurt gleich zwei Drittliga-Absteiger einen Platz im 19-köpfigen  Teilnehmerfeld der Südwest-Staffel beanspruchten, wird es diesmal oben  aller Voraussicht nach niemanden treffen.

 Erster Anwärter wäre derzeit die SG Sonnenhof Großaspach, aber die  liegt als Elfter des Tableaus mit 32 Punkten schon stattliche 13 Zähler  über der gefährdeten Zone. Vier Teams muss die Regionalliga Südwest aus  den darunter liegenden Oberligen im Normalfall aufnehmen. Da die Klasse  überdies wieder auf 18 Mannschaften reduziert werden soll, verursacht  das zunächst einmal in der Summe fünf Absteiger. Diese Zahl jedoch wird  noch vermindert um die möglichen Aufsteiger in die Dritte Liga, zurzeit  belegen Saarbrücken und Offenbach die beiden begehrten Relegationsränge  an der Spitze. Die Absichtserklärung des VfB Stuttgart, die zweite  Mannschaft nach Saisonende aus dem Spielbetrieb zu nehmen, wurde  mittlerweile widerrufen. Das bedeutet: Im allergünstigsten Fall  verlassen drei Vereine am Tabellenende die Regionalliga Südwest, den TSV Schott Mainz sollten die Koblenzer im Tableau also wenigstens noch  hinter sich lassen.
bhm